1. Der erste Schritt zu deinem eigenen Unternehmen - der Gewerbeschein

Du bist dem Nähen verfallen und möchtest gerne deine handgenähten Taschen verkaufen? Du designst seit Jahren Stoffmuster und möchtest den nächsten Schritt gehen und sie verkaufen?

Beide Fälle haben eins gemeinsam: Um mit deinem Unternehmen loslegen zu können musst du es anmelden.

Das wirkt auf den ersten Blick bürokratisch und – sind wir mal ehrlich – ein bisschen undurchsichtig, aber keine Angst – wir helfen dir, den Traum vom eigenen Unternehmen wahr werden zu lassen!

Ready, set, go!

Zuallererst stellt sich die Frage, ob du als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingestuft wirst. In Deutschland ist dafür das Finanzamt auf Basis deiner Registrierungsunterlagen zuständig. Um das zu entscheiden, guckt sich das Finanzamt verschiedene Faktoren an, unter anderem:

    • Gehörst du einer Berufsgruppe an, die grundsätzlich unter “Freiberufler”-Status fällt (z.B. Ärzte)?
    • Welche abgeschlossene Ausbildung oder Studium hast du?
  • Verkaufst du einen Service (z.B. Design-Consulting) oder Produkte?

Ich fokussiere mich heute auf Gewerbetreibende, da die meisten „Crafty Entrepreneurs” handgefertigte Produkte herstellen und verkaufen und somit einen Gewerbeschein brauchen. Falls du unsicher sein solltest, in welche Kategorie du fällst, lohnt es sich, sich Expertenrat zu holen – z.B. von einem Steuerberater oder in der Gründungsberatung.

Wie melde ich mich für einen Gewerbeschein an?

Zuerst ist wichtig zu wissen, dass die Gewerbeanmeldung unterschiedlich abläuft je nachdem in welcher Stadt du lebst. Die grundsätzlichen Schritte sind gleich, die Formulare und Ansprechpartner können sich allerdings unterscheiden. Deswegen gilt: Immer einmal googlen – einfach “Gewerbe anmelden DEINE STADT” eingeben und schon landest du (in den allermeisten Fällen) auf der richtigen Seite beim Finanzamt.
1. Der erste Schritt zu deinem eigenen Unternehmen - der GewerbescheinDas ist der ersehnte Gewerbeschein!

Ich habe hier für dich die Links und Online-Portale (sofern man die Gewerbeanmeldung online abgeben kann) für die größten deutschen Städte zusammengestellt:

    • Köln (nicht online möglich)

Die Gewerbeanmeldung kostet etwas Geld – in Berlin 26 EUR, in anderen Städten kann es etwas mehr oder weniger sein.

Abhängig von der Stadt ist es möglich, dass du direkt dein Gewerbe beim Finanzamt registrieren kannst und gleichzeitig mit der Gewerbeanmeldung ein Formular für das Finanzamt ausfüllt, auf dessen Basis das Finanzamt dann die Einkommenssteuer, die du zahlen musst, berechnet.

Falls du in deiner Stadt nicht beides gleichzeitig abgeben kannst, gibt die Behörde, die für die Gewerbeanzeigen zuständig ist, deine Informationen an das Finanzamt weiter. Das Finanzamt meldet sich dann bei dir und fordert die zusätzlichen Unterlagen ein.

Für beide Anmeldungen gibt es Formulare, in die du Details zu dir als Person und zu deinem neuen Unternehmen eintragen musst. Viele davon sind selbsterklärend – Name, Adressdetails, etc., – einige haben mir allerdings bei meiner Gewerbeanmeldung Kopfschmerzen bereitet.

Diese Themen habe ich hier einmal zusammengefasst – ich hoffe, sie helfen dir bei deiner Anmeldung weiter!

Unternehmensform:

In vielen Fällen ist es sinnvoll, dich erst einmal als Einzelunternehmer zu registrieren. Du kannst dabei einfach deinen Namen oder deine Marke als Unternehmensnamen angeben. Ein Einzelunternehmen ist die einfachste Unternehmensform – du musst hier nur eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung sowie eine Einkommenssteuer- und Umsatzsteuererklärung am Ende des Jahres abgeben und keine komplette Bilanz führen.

Erlaubnis & Handwerkskarte:

Für bestimmte Tätigkeiten benötigst du eine zusätzliche Erlaubnis – z.B. für ein Café oder ein Restaurant. Es gibt außerdem eine Reihe an Berufen, die man nur mit einem Meisterschein selbstständig ausüben darf – hier gibt es eine Liste dazu. Als Crafty Entrepreneur wirst du aber voraussichtlich nicht in eine dieser Kategorien fallen. Falls du hier unsicher sein solltest, kannst du dich auch direkt an das Gewerbeamt oder die zuständige Behörde in deiner Stadt wenden und nachfragen.

Tätigkeitsbeschreibung:

Es lohnt sich, die Tätigkeit, die du ausüben willst, so breit wie möglich zu beschreiben. So hast du später noch die Möglichkeit, zusätzliche Produkte anzubieten. Ein Beispiel: Du möchtest kleine Zipper-Taschen nähen, kannst dir aber auch vorstellen, später Kleidung herzustellen. Statt “Herstellung und Verkauf von Zipper-Taschen” schreib lieber “Herstellung und Verkauf von Mode und Accessoires” – damit lässt du dir offen, dein Unternehmen in der Zukunft noch auszubauen.

Kleinunternehmerregelung:

Oh, die Kleinunternehmerregelung. Nicht so schwierig, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheint! Die Kleinunternehmerregelung kannst du dann in Anspruch nehmen, wenn dein Jahresumsatz unter 17.500 EUR liegt. Der Vorteil? Du musst keine Umsatzsteuer erheben und kannst so deine Produkte günstiger anbieten. Außerdem sparst du dir die monatliche Umsatzsteuervoranmeldung.

Du kannst allerdings auch keine Vorsteuer abziehen!

Solltest du dich für die Kleinunternehmerregelung entscheiden musst du auf deinen Rechnungen einen Hinweis ergänzen wie “Ich falle unter die Kleinunternehmerregelung nach §19 Abs. 1 UStG und erhebe daher keine Umsatzsteuer”.

Gewinn- & Umsatzabschätzung:

Hier musst du eine erste Abschätzung abgeben, wie viel Gewinn (“Einkünfte” in vielen Formularen) und Umsatz du mit deinem Unternehmen in den ersten beiden Geschäftsjahren voraussichtlich machen wirst. Auf dieser Schätzung berechnet das Finanzamt wie viel Einkommens- und Gewerbesteuer du zahlen musst.

Die Einkommenssteuer musst du während des ersten Geschäftsjahrs vierteljährlich an das Finanzamt zahlen.

Meist musst du auch angeben, wie du deinen Gewinn ermittelst. Solange dein Gewinn weniger als 50.000 EUR p.a. beträgt und / oder dein Umsatz geringer als 500.000 EUR pro Jahr ausfällt und du nicht im Handelsregister eingetragen bist, kannst du eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung als Gewinnermittlungsart nutzen.

Hierbei vergleichst du (oder dein Steuerberater) am Ende des Jahres einfach deine gesamten Einnahmen mit deinen Ausgaben und ermittelt so den Gewinn.

Soll- vs. Istversteuerung:

Nur relevant, falls du nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällst, da sich die Soll- vs. Istversteuerung auf die Abrechnung der Umsatzsteuer bezieht.

Sollte der Gesamtumsatz für dein erstes Geschäftsjahr voraussichtlich nicht mehr als 500.000 EUR betragen, kannst du die Istversteuerung beantragen. Das heißt, dass du die Umsatzsteuer, die du in Rechnung gestellt hast, erst an das Finanzamt abführen musst, wenn du die Zahlung wirklich erhalten hast.

Bei der Sollversteuerung musst du die Umsatzsteuer in dem Monat an das Finanzamt zahlen, in dem du die Rechnung gestellt hast. Falls dein Kunde also später zahlt, musst du sie erstmal vorstrecken. Falls dein Umsatz geringer als 500.000 EUR ist, lohnt es sich daher, die Istversteuerung zu beantragen.

Umsatzsteuer-ID

Du kannst dir optional eine Umsatzsteuer-ID zuschicken lassen. Das kostet nichts und du brauchst sie, sobald du Produkte oder Dienstleistungen außerhalb von Deutschland verkaufst. Daher meine Empfehlung – lass sie dir zuschicken! So kannst du auch Bestellung von internationalen Kunden erfüllen.

Was passiert, nachdem ich die Unterlagen eingereicht habe?

Nachdem du die Formulare online eingereicht oder an das zuständige Amt geschickt und die Gebühr bezahlt hast, bekommst du innerhalb einiger Tage einen Brief mit deiner neuen Steuernummer für dein Unternehmen sowie einen Brief mit der Umsatzsteuer-ID (sofern du sie beantragt hast).

1. Der erste Schritt zu deinem eigenen Unternehmen - der GewerbescheinFertig!!

Außerdem leitet das Gewerbeamt oder Finanzamt deine Anmeldung an die IHK weiter, in der du automatisch Mitglied wirst. In den ersten beiden Jahren nach der Unternehmensgründung zahlst du keinen Betrag – zumindest wenn dein Gewinn weniger als 25.000 EUR pro Jahr beträgt und du nicht im Handelsregister registriert bist. Danach ist die Höhe des Beitrags abhängig von deinem Umsatz.

Sobald du die Bestätigung der Gewerbeanmeldung erhalten hast, kannst du loslegen mit dem Verkauf deiner Produkte! Viel Spaß – und viel Erfolg!  


Über unsere Gast Bloggerin

Hanna Lisa unterstütHanna Lisazt mit ihrem Unternehmen seit Ende 2015 Crafty Entrepreneurs und größere Kreativ-Unternehmen in Marketing-, Branding- und Strategiefragen. Außerdem baut sie zwei Labels für Nähkits (Beyond Bias) und handgefertigte Taschen (@ihavemyshittogether) auf – schließlich glaubt sie daran, alle Tipps und Tricks, die sie anderen Unternehmern gibt, erstmal am eigenen Leib auszuprobieren. Sitzt sie mal nicht am Laptop oder der Nähmaschine findet ihr sie garantiert auf ihrem Balkon mit Strickzeug in der Hand – Stricken ist nämlich ihre erste Liebe und private Leidenschaft. Mehr über Hanna Lisa könnt ihr auf ihrer  Hannah Lisa Website und ihrem Instagram-Account erfahren.

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